Das Bodenlärmgutachten zum Standort Erbenheim

Nach Durchläufen durch verschiedene Gremien wurde am 10.3.2015 das vom Magistrat in Auftrag gegebene Gutachten („Schalltechnische Untersuchung zu den Lärmemissionen und –Immissionen durch den Bodenlärm auf dem US Army Airfield Wiesbaden in Wiesbaden Erbenheim und Nordenstadt“) dem Umweltausschuss der StVV vorgestellt.

Das Gutachten untersucht den Bodenlärm, der vom Airfield ausgeht, wobei sämtliche Schallereignisse, die im Zusammenhang mit dem Flugbetrieb entstehen, durch gesetzliche Vorgaben nicht dem Bodenlärm zugeordnet werden. Es wurden also ausschließlich folgende Schallereignisse erfasst: „Standphasen von Hubschraubern, Triebwerksprobeläufe von Starrflüglern und Hubschraubern sowie alle Geräusche durch Kraftfahrzeuge und übrige ortsfeste Quellen auf den Flughafengelände.“ (Gutachten S. 2)

Es wurde am 15.4.2014 eine erste Messung durchgeführt, die die Geräusche im nördlichen Bereich des Flughafens erfassen sollten (Messpunkt: Kreuzung Heerstraße/ Oppelnerstraße in WI-Nordenstadt). Der subjektive Eindruck ergab: „Geräuschereignisse hinsichtlich des Bodenlärms auf dem US Army Airfield waren zu keinem Zeitpunkt der Messungen wahrnehmbar. Gleiches gilt für die Start- und Landevorgänge der Starr- und Drehflügler.“ (Gutachten S. 10)

Schon während der Präsentation wurde nach der an diesem Tag vorherrschenden Windrichtung gefragt, doch keine präzise Antwort gegeben und diese für irrelevant erklärt. Im Gutachten wird weiter erläutert, dass aus den Messungen keine verwertbaren Messdaten zu ermitteln waren, da sämtliche Umgebungsgeräusche wie Autobahn und Frankfurter Fluglärm die Airbasegeräusche überlagerten. Der Wind kam an diesem Tag aus Nordwest, trug also den Schall vom Standort weg!

Da zur Berechnung der Ausbreitung des Bodenlärms mittels einer Software (CadnaA) wohl konkrete Daten benötigt werden, wurden auf dem Airfield Messungen in der Nähe von Schallereignissen wie Probeläufe, Warmlaufen, Hovern (Schwebeflug) gemacht und Werte bis 111 dBA gemessen.

Vom 8.9.14 bis zum 12.9.14 wurden dann Langzeitmessungen an drei Standorten vorgenommen:

Fort Biehler, Taunushalle (Nordenstadt), und Wohnhaus im Habichtsweg (Nordenstadt).

Die Messergebnisse zeigten an den Standorten wiederum keine signifikanten Ergebnisse und die vor Ort anwesenden Messexperten schildern im Gutachten in ihrem subjektiven Eindruck mit: „Geräuschereignisse hinsichtlich des Bodenlärms auf dem US Army Airfield waren bis auf schwach wahrnehmbare akustisches Signale zur Vogelvergrämung vor dem Start der Starrflügler nicht wahrnehmbar.“

Auffällig ist, dass zwar das Wetter an allen Tagen beschrieben, die Windrichtung jedoch nicht benannt wird. An allen Tagen bis auf den Vormittag des 11.9.15 herrschte Nord- oder Nord/Ost-Wind, wie der folgenden Tabelle entnommen werden kann. Die Werte stammen von unserer dem DFLD angegliederten Messstation in Nordenstadt und werden von den offiziellen Windwerten des Flughafens Frankfurt gespeist. (Link)

 

Morgens

Mittags

Abends

Nachts

15.04.14

Nord

Nord

Nord

Nord

08.09.14

Ost

Nord-Ost

Nord

Nord-Ost

09.09.14

Ost

Nord-Ost

Nord-Ost

Nord-Ost

10.09.14

Nord-Ost

Nord

Nord-Ost

Süd-West

11.09.14

Nord-Ost

Nord-Ost

Nord-Ost

Nord-Ost

12.09.14

Nord

Nord

Nord

Nord-Ost

Diese Wetterlage ist für unsere Gegend eher untypisch, da wir vorherrschend Wind aus westlichen Richtungen (ca. 70%) haben, der den Schall in Richtung Nordenstadt und Delkenheim trägt. Insofern bestätigen die subjektiven Eindrücke der Messexperten die Erfahrungen vieler Anwohner, dass der Wind die Geräusche mitnimmt und im Rahmen dieser Untersuchung nicht zu den Mikrofonen, sondern in die entgegengesetzte Richtung getragen hat!

Dass für das geplante zukünftige Wohngebiet Hainweg in Nordenstadt ein passiver Schallschutz aufgrund der ansteigenden Topografie wenig bis keinen Effekt hätte, kann der gesunde Menschenverstand erkennen.

Zusammenfassend ist zu konstatieren, dass dieses Gutachten alle von uns immer wieder kritisierten flächendeckenden Schallereignisse der Fluggeräte, die dem Flugbetrieb zuzuordnen sind, nicht erfasst.

Die Aussagen zum Bodenlärm sind aufgrund der Nichtberücksichtigung der Windrichtung ausgesprochen kritisch zu betrachten, hat der im Messzeitraum vorherrschende Nord- oder Nord/Ost-Wind die Schallereignisse doch von den Messstationen weggetragen.

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